GESCHICHTE

Gründung der Berufsschule Nazareth in Togo

Dr. Josef Koumaglo war Patenstudent der Pfarrgemeinde St. Michael in München-Perlach. Nach seiner Promotion und einer geistlichen Ausbildung kehrte er 1998 nach Togo / Westafrika zurück und übernahm als Pfarrer die im gleichen Jahr von den Comboni-Missionaren verlassene ehemalige Missionsstation mit Berufsschulzentrum in Afanya. Lediglich die Gebäude und einige nicht transportable Maschinen waren noch vorhanden.

Dadurch gab es im ganzen Südosten Togos keine Möglichkeit zur Berufsausbildung mehr. Dr. J. Koumaglo hat sich die Aufgabe gestellt, die Schule zu reaktivieren. Dazu bat er in seiner ehemaligen Patengemeinde in St. Michael Perlach um Hilfe.

Durch diese wurde ihm der Bau einer Mauer um das Gelände, die Renovierung der elektrischen Leitungen und die Reparatur der noch vorhandenen Maschinen ermöglicht. Die notwendigen Gelder kamen aus verschiedenen Aktionen des Sachausschusses „Eine Welt – Gerechtigkeit und Frieden – Bewahrung der Schöpfung“, wie z.B. bunte Abende, Bücherflohmärkte, Christkindlmarkt und Spenden. Zusätzlich schickte der Sachausschuss teils gebrauchte, teils neue Maschinen und Geräte nach Afanya.

Im Jahr 2000 konnte dann die Berufsschule unter dem Namen „Centre Nazareth“ mit den Ausbildungszweigen Schreinerei und Zimmerei wiedereröffnet werden.

Insbesondere arme Jugendliche aus der Diözese Aného werden an dieser Berufsschule in Afanya mit Zweigstelle Vogan mittlerweile auch in den später dazugekommenen Abteilungen zu  Tischlern, Maurern, Kfz-Tehnikern und Kfz-Ektronikern, Karosseriebauern, Informatikern und Sekretärinnen ausgebildet.

Nach drei Jahren Ausbildung erfolgt die staatliche Prüfung (Abschluss CAP [Certificat d’Aptidude Professionelle]). Für Schüler ohne mittlere Reife ist eine hauptsächlich praktische Ausbildung möglich (Abschluss CFA [Certificat de Fin d’Apprentissage]).

Seit dem Jahr 2000 ist Dr. J. Koumaglo Direktor der Berufsschule.

Dr. Joseph Koumaglo
Von seiner Lehrtätigkeit an der theologischen Fakultät der katholischen Universität für Westafrika in Abidjan (Elfenbeinküste) wurde er ab Sept. 2013 mit bischöflicher Genehmigung freigestellt. Seither ist er ausschließlich für die Berufsschule in Afanya und Vogan zuständig.

Bis Herbst 2020 war Herr Felix Gozo Leiter in der Berufsschule in Vogan und Pfarrer Benoit Satchi war Schulleiter in Afanya  und auch Stellvertreter für P. Joseph Koumaglo.

Seit Beginn des neuen Schuljahres gibt es nun neue Schulleiter für beide Schulen unter dem Generaldirektor P. Joseph Koumaglo.

Père Casimir AGBO ist seit Oktober 2020 der neue stellvertretende Direktor in der Berufsschule des „Centre Nazareth“ in Afanya.

Père Kasimir Agbo
2015 wurde er zum Priester geweiht. Danach war er Vikar in der „Heilig-Geist-Pfarrei“ von Togoville und gleichzeitig für zwei Jahre Vizerektor im Marienwallfahrtsort von Togoville. Im Juli 2017 ernannte ihn der Bischof zum Direktor des Blindeninstituts von Togoville.

Wie P. Joseph Koumaglo stammt P. Casimir AGBO aus Vogan. Er kommt aus einer Tischlerfamilie. Von seinem Onkel erlernte er das Tischlerhandwerk. Er freut sich daher sehr, in der Berufsschule in Afanya, in der es eine Abteilung für Tischlerausbildung gibt, Direktor zu sein.

P. Casimir AGBO ist sich bewusst, dass das Centre Nazareth in Afanya in einer wettbewerbs-orientierten Welt bestehen muss. Großen Wert legt er deshalb auf eine qualitative hochwertige Ausbildung der Lehrlinge sowie auf eine gute Ausführung der Auftragsarbeiten durch die Schule als Betrieb. Dies ist sicherlich die beste Werbung für die Schule.

Sein Wahlspruch: „Die Zufriedenheit unserer Kunden und der Erfolg unserer Lehrlinge müssen unser Bestreben sein.“

Mr. Cyprien Kodjo Kpoedoun ist in der Berufsschule des „Centre Nazareth“ in Vogan seit Oktober 2020 der Direktor in Vogan.

Cyprien Kodjo Kpoedoun
Er wurde 1961 in Seva (14km von Vogan entfernt) geboren. Er ist Vater von 3 Söhnen und einer Tochter. In seiner Pfarrgemeinde in Seva ist er Mitglied im Pfarrgemeinderat.

Herr Kpoedoun hat an der Universität Lomé Mechanik studiert. Als Ingenieur hat er sich dann auf Wärmekraftmaschinen und Dieselmotoren spezialisiert. 1999 absolvierte er ein Praktikum in Mühlhausen. Von 2001 bis 2009 hat er in einem für Togo bedeutenden Industriezweig, der Phosphatindustrie, gearbeitet. Dort war Herr Kpoedoun u.a. für den Fuhrpark verantwortlich. Anschließend lehrte er Mathematik am Priesterseminar in Lomé.

Sein Ziel ist es, die Berufsschule in Vogan erfolgreich weiter zu entwickeln, damit viele Jugendliche aus dieser Gegend, die aus armen Verhältnissen kommen, eine selbstbestimmte Zukunftsperspektive haben.

Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit mit Père AGBO und Herrn Kpoedoun und wünschen beiden stellvertretenden Direktoren viel Erfolg, Gottes Segen und Zufriedenheit in ihren neuen Aufgabenbereichen!

Unterbringung der Schüler/Schülerinnen-Schulgeld

Für auswärtige Schülerinnen/Schüler gibt es in Afanya Schlafräume mit einfachen Betten und einen Raum mit Möglichkeit zum Kochen. Viele der Lehrlinge waren und sind auch heute noch so arm, dass sie kein Schulgeld zahlen können, obwohl in Afanya nur 23,00 Euro pro Jahr verlangt werden.

Außerdem müssen die meisten Jugendlichen, wenn sie von zu Hause weg sind, für ihren Unterhalt selbst sorgen, da ihre Familien in großer Armut¹ leben und so weder Schul- noch Verpflegungsgeld aufgebracht werden kann.

  1. Auf dem aktuellen Entwicklungsindex der Vereinten Nationen belegt Togo nur Rang 166 von 188 Ländern (2017). Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in extremer Armut. Besonders betroffen sind die nördlichen Landesteile und die ländlichen Gebiete. Etwa ein Drittel der Bevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, fast 90 Prozent verfügen über keine angemessene Sanitärversorgung. 15 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner sind unterernährt, 70 Prozent der Kinder unter fünf Jahren leiden unter Anämie (Blutarmut).

Geschichte in Zahlen

2001

2001 begann die Berufsschule Nazareth mit Grundkursen für PC-Kenntnisse und Bürotätigkeiten nach der Errichtung von Klassenzimmern (Finanzierung durch Sachausschuss).

2005

2005 folgte der Ausbildungszweig Maurerei.

2006

2006 konnten mit finanzieller Unterstützung des Päpstlichen Kindermissionswerkes in Aachen zwei Klassenzimmer, Duschen und Toiletten und ein Küchengebäude errichtet werden.

2007

2007 erfolgte die Gründung des Vereins Freunde der Berufsschule Nazareth / Togo – Hilfe zur Selbsthilfe.

2007/2008

2007/2008 erfolgte der Bau einer Werkhalle für Maurer (Finanzierung durch den Verein).

2008

2008 erhielt die Schule die staatliche Anerkennung. Seither unterrichten auch drei vom Staat bezahlte Lehrer an der Berufsschule.

2008/2009

2008/2009 ermöglichte der Verein die Neueindeckung der Werkhalle und der Klassenzimmer der Schreiner.
Ebenso konnte der Verein eine Erhöhung der Lehrergehälter ermöglichen und sie somit auf das Niveau der staatlich bezahlten Lehrer anheben (zwischen € 70,00 und 125,00 im Monat).

2009/2010

2009/2010 wurde eine zweite Werkhalle für die Maurer errichtet (Finanzierung durch den Verein).

2010

2010 erhielt die Berufsschule vom Verein und der Pfarrei St. Michael Perlach und St. Georg Unterbiberg zum 10-jährigen Bestehen einen gebrauchten Lkw.

2010/2011

2010/2011 wurde eine dritte Werkhalle für die Maurer gebaut (Finanzierung durch den Verein). Die notwendige Neueindeckung des Verwaltungsgebäudes konnte ebenfalls erfolgen.

2011

2011 erzielten die Absolventen der Schreinerei und Maurerei der Berufsschule „Nazareth“ die besten Prüfungsergebnisse von ganz Togo.

2012

2012 erhielt die Maurerei einen gebrauchten Lkw mit Kran, einen Minibagger, eine Rüttelplatte und ein fahrbares Gerüst, um Aufträge annehmen zu können.

2013/2014

2013/2014 errichtete die Maurerei einen Laden mit Ausstellungsraum (für die Produkte der Tischlerei) und das Informatikgebäude wurde um ein Stockwerk erhöht und ein Internetcafé eingerichtet, um Einnahmen für die Berufsschule zu erwirtschaften.

2015

Beantragung von Zuschüssen für die geplante Kfz-Berufsschule beim BMZ, Kindermissionswerk und Global Care. Die Anträge werden genehmigt.
Grundsteinlegung der Kfz-Abteilung am 11. Oktober und anschließend Beginn der Bauarbeiten.

2016

Spende eines Toyota-Hilux von der Kirchenstiftung St. Michael.
Herr Altmann, Lehrer am Städtischen Berufsschulzentrum für Fahrzeugtechnik, München, hilft beim Einbau der neuen Geräte und Maschinen.
Einweihung der Kfz-Schule am 11. Oktober 2016.
200 Lehrlinge beginnen die Ausbildung an der neuen Schule.

2017

Herr Altmann gibt den Lehrern eine Einweisung in die neuen Maschinen und Geräte.
Herr Wolfgang Keil und Herr Dr. Karl Schimmel besuchen die Schule in Vogan und nehmen an der Freisprechungsfeier der Lehrlinge in Afanya teil.

2018

Der Verein stellt beim BMZ und Kindermissionswerk Anträge auf Unterstützung für den Bau von weiteren 5 Klassenzimmern, einer Mensa und eines Wohnheims für die auswärtigen Lehrlinge.

Die Klassenzimmer konnten bereits in diesem Jahr gebaut und in Betrieb genommen werden.

2019

Wurden die Mensa und ein Teil des Wohnheimes gebaut und eingeweiht.

2020

Neue Direktoren an den beiden Schulen sowohl in Vogan als auch Afanya.

2021

Aufstockung der Werkstätten um zusätzliche Klassenzimmer und Werkräume für die neue Ausbildungsabteilung für Installateure und Alutischler.

Während all der Jahre konnten regelmäßig Hilfsgüter (Fahrräder, Maschinen für die Schreinerei und Maurerei, Geräte, Nähmaschinen, Stoffe, Nähzubehör, Schreibmaterial, Monitore, Laptops etc.) geschickt werden.

Wir sind Frau Margret Kopp, Vorstandsvosritzende von Aktion PiT – Togohilfe e.V., sehr dankbar, dass wir uns an ihren Container-Lieferungen nach Togo beteiligen konnten und können. Sie stand und steht uns auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite.

Die Schule wird christlich geführt, steht aber auch Andersgläubigen offen. In ihr soll ein liebevoller Umgang miteinander das Schul- und Arbeitsklima bestimmen.
Bischof Dr. Isaac Gaglo, Dr. Joseph Koumaglo und die Bevölkerung der Diözese Aného sind sehr stolz auf ihre Berufsschule. Zu deren Gelingen tragen die Lehrer der Berufsschule mit außerordentlich intensiver Eigeninitiative bei (Verkauf von selbst hergestellten Möbeln, Auftragsarbeiten), um den Jugendlichen eine gute und selbstbestimmte Zukunft zu ermöglichen.

ABTEILUNGEN

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